Vor einiger Zeit bin ich auf dem Titelblatt des Magazins wieder mal einem meiner meistverachteten Wörter begegnet: „perfekt“. Allein der Klang verursacht mir Schmerzen im rechten Knie. Es ist mir schleierhaft, wie sich die Abneigung gegen dieses Wort physisch so konkret äussern kann. Wahrscheinlich ist das eines dieser unerklärlichen Dings-Phänomene. Ich sollte das mal untersuchen lassen.

Die Bedeutung ist im Grunde gar nicht so bissig: es bedeutet nur, dass etwas vollbracht ist, dass etwas ganz fertig ist. Wie eine Tomatensauce, die lange genug gekocht hat. Aber dieser protestantische Leistungszwang, der im Wort „perfekt“ hörbar ist, ist fast nicht auszuhalten. „Es ist perfekt“ - danach kommt nichts mehr. Nur der Tod. Oder die ewige Erinnerung. An den perfekten Moment oder an das perfekte Wochenende – um wieder auf das Titelblatt des Magazins zurück zu kommen – oder an das perfekte Irgendwas. Es klingt nach straffer und fehlerfreier Organisation, in der nichts dem Zufall überlassen wird und die Unvorhersehbarkeit des Lebens sicherheitshalber vertrieben worden ist. Im Grunde ein verbaler Axthieb.

In der französischen oder in der italienischen Variante wirkt das Wort weniger streng: „parfait“ klingt eher nach Eiscreme, als nach einer perfektionistischen Zwangsneurose. Und wenn ein Italiener sagt, etwas sei „perfetto“, hat das nur in einem kulinarischen Sinn eine gewisse Bedeutung und heisst übersetzt soviel wie „man kann es essen“. In allen anderen Bereichen der Existenz sagt es nichts aus. Im besten Fall ist „perfetto“ eine phonetische Dekoration.

Vielleicht liegt es an diesem „k“ im deutschen „perfekt“, das mir solche Schmerzen bereitet. Schon im Englischen ist der Klang etwas sanfter und dadurch erträglicher. Und bei den Amerikanern ist das nochmals anders. Da weiss man eh, dass alles nur Geschwafel ist und das macht sie irgendwie harmlos. „Oh honey, your teeth look so perfect!“. Etwas debil, aber harmlos.

Aber an das deutsche „perfekt“ kann ich mich einfach nicht gewöhnen. Ich zucke immer vor Schrecken zusammen, wenn ich es irgendwo lese oder höre. Es hat keinen Swing und keinen Rhythmus. Es beisst nur zu und entledigt sich aller Unschärfe. Im Grunde klingt es wie Marschmusik. Irgendwie anal. Und wenn es dann noch im Zusammenhang mit etwas Schönem, wie einem Wochenendausflug benutzt wird, bekomme ich oft einen leichten Anfall von Wachapnö.