Eigentlich will ich dir gefallen. Dir, dem anderen, dem weiblichen Geschlecht. Aber es liegt so viel Unsicherheit darin. Angst. Angst vor der Nähe, und dass sie mir dann doch wieder entrissen wird. Diese irre Sehnsucht nach einem Urbild, das nicht existiert, nie existiert hat. Nach der Königin, die mich zum König macht, nach dem Prinzen, der dich wach küssen darf. Für immer und in alle Ewigkeit.

Dass Mann und Frau zusammen passen, ist biologisch geschickt angelegt. Dass wir seelisch deformiert werden würden, hat Gott in seiner Unvollkommenheit wohl nicht geahnt. Den Penis hat er als Wandergesellen kreiert, als einen Höhlenbewohner, der überall rein will, wo's dunkel ist. Und ins Herz hat er mir die Sehnsucht nach diesem einen Menschen gepflanzt. Wie ein Unkraut wuchert sie, die Sehnsucht, begleitet vom Schmerz, sie nicht gestillt zu finden, und niemals die Sehnsucht eines anderen Menschen stillen zu können. Wer den Himmel sucht, wird die Hölle finden.

Aber Himmel und Hölle sind jenseits. Wir sind Erdenbürger, Bewohner einer Welt, die sich irgendwo zwischen Hölderlin und Miller erstreckt. Zwischen Höhen und Höhlen. Die Pole jenseits zerreissen uns. Liebe schmerzt, weil sie in Dimensionen angesiedelt wurde, die unsere Fähigkeit zum Spagat übersteigen. Man kann zwischen Bergen und Meeren wandeln, aber nicht zwischen Himmel und Hölle. Mit denen haben wir nichts zu schaffen. Nicht jetzt. Nicht hier.

Die Sehnsucht aber bleibt. Und mit ihr der Schmerz.